wittelsbuerger.com - Europas erste Adresse für den Westernreitsport
Fit fürs Pferd – Teil 1:
Reiten ist Sport – für Pferd und Reiter
wittelsbuerger.info
Wissen
Besucher online
Unsere Foren: Informieren Sie sich und diskutieren Sie mit!
Wissen
Übersicht
 
Navigation

zurück
 
Diese Seite ausdrucken
Diese Seite
zu den Favoriten
Diese Seite
als Startseite
 
Kontakt & Feedback
Kontakt &
Feedback


Sitemap & Suchfunktion
Sitemap &
Suchfunktion


zur Startseite

zurück zur
Startseite


 

Viele Aspekte des Reitsports beziehen sich nur auf das Pferd. Überlegungen für ein optimales Pferdetraining werden angestrengt, um die Leistungsfähigkeit des Pferdes zu verbessern, und um auf Turnieren noch erfolgreicher zu sein. Man denkt über spezielle Übungen zur Gymnastizierung des Pferdes nach, um die eine oder andere Lektion zu vervollkommnen. Doch welche Rolle spielt dabei der Reiter?

 

Das Pferd ist immer nur so gut wie dessen Reiter, heißt es in Fachkreisen zu Recht. Die Einwirkungen des Reiters über seine Hilfengebung beeinflussen das Pferd in seinen Bewegungen. Ein Reiter mit einem schlechten, unausbalancierten Sitz stört das Pferd, so dass es sich nicht optimal bewegen kann. Letztendlich kann das Pferd aus diesem Grund bestimmte Manöver nicht oder nur unzureichend ausführen. Dies gilt für den Hochleistungsreitsport (Turniersport) ebenso wie für den breitensportlich ausgeführten Reitsport.

Die Haltung und die Bewegungen (auch Beweglichkeit) des Reiters, also dessen Einwirkungen, sind Grundvoraussetzungen für eine optimale Umsetzung der Bewegungen des Pferdes in die verschiedenen Manövern. Der Reiter muss zunächst gut ausbalanciert sitzen können, um das Pferd weder zu stören noch einseitig zu belasten. Damit der Reiter diese Balance aber aufrecht erhalten kann, ist eine bestimmte Ausdauer- Muskelarbeit und Koordinationsfähigkeit von Bedeutung. Die Einwirkungen über die Hilfengebung durch Arme (Zügel), Beine (Schenkelhilfen) und Rumpf (Gewichtshilfen) erfordern ebenfalls ein bestimmtes Potenzial an Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit.

Ansprüche an den Reitersitz

Viele Reiter haben schon Probleme, den korrekten Sitz über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Ihre Muskeln ermüden frühzeitig, sie verkrampfen und verlieren somit ihren Sitz. Dies ist auf eine ungenügende körperliche Vorbereitung des Reiters zurückzuführen. Der Körper muss auf die Anforderungen des korrekten Reitsitzes vorbereitet werden, indem die entsprechenden Muskelpartien gestärkt werden. Auch die Sehnen und Bänder müssen trainiert sein, damit es dem Reiter möglich ist, korrekt und gut zu sitzen. Dieser Sitz soll dann auch noch in Bewegung, also in allen Gangarten, aufrecht erhalten bleiben.

Hierzu ist eine gewisse Geschmeidigkeit und Beweglichkeit des Reiters Voraussetzung. Bewegung erfordert wiederum Muskeltätigkeit, die über einen längeren Zeitraum aktiv sein muss. Dies setzt wiederum eine gewissen Grundausdauer voraus. Insbesondere sind hier die Rumpfmuskeln betroffen, speziell die Bauchund Rückenmuskulatur, die die Beckenbewegung steuern. Dabei haben Untersuchungen ergeben, dass die meisten Menschen und damit auch die Reiter in Relation zur Rückenmuskulatur viel zu schwache Bauchmuskeln haben.

Die sportliche Anforderung ans Reiten wird von den meisten unterschätzt. Das Reiten ist in erster Linie eine Ausdauersportart, in der über einen längeren Zeitraum bestimmte Muskelgruppen in der Regel zwar leicht, aber andauernd angespannt werden müssen. Allein schon die Haltearbeit der Zügel und das aufrechte Sitzen bedeutet eine nicht zu unterschätzende Muskeltätigkeit.

Die Pulsfrequenz beim Reiten

Aufgrund dieser Anstrengungen wird auch das Herz-Kreislauf-System beansprucht. Messungen haben ergeben, dass die Herzfrequenz bei höchsten Belastungen wie beispielsweise beim Springreiten sogar auf Werte von bis zu 200 steigen kann. Dies ist – je nach Alter und persönlicher Konstitution – ein absoluter Höchstwert+

Der Ruhepulswert des Menschen beträgt etwa 60 bis 70 Schläge in der Minute. Im Schritt erreicht man einen Pulswert von etwa 80 bis 100 Schlägen in der Minute. Im Trab schwanken die Werte zwischen 100 und 140 Schlägen, während der Galopp im Bereich von 140 bis 160 seinen durchschnittlichen Frequenzbereich hat.

Die Messungen sind natürlich sehr stark auch vom jeweiligen Pferd abhängig. Je weicher ein Pferd zu sitzen ist, desto weniger muss der Reiter seine Muskulatur beanspruchen, um die Bewegungen des Pferdes auszugleichen. Somit sinkt die Frequenz deutlich ab. Andererseits ist auch zu berücksichtigen, wie stark ein Pferd in der Unterhaltung seiner Gangart durch Treiben unterstützt werden muss, was wiederum eine teils enorme Muskelanstrengung nach sich ziehen kann. Je fauler oder unsensibler das Pferd, desto höher die Pulsfrequenz des Reiters.

Einige Pferde müssen (oft aufgrund mangelnder Ausbildung) so deutlich vorwärtsgetrieben werden, dass der Reiter außer Puste gerät. Hier ist dann die Schwelle vom aeroben zum anaeroben Stoffwechsel des Körpers überschritten worden. Der Reiter kann die Sauerstoffschuld nicht mehr ausgleichen, ermüdet frühzeitig und muss eine Pause einlegen. Normalerweise aber ist das Reiten eine Ausdauersportart, die im aeroben Bereich stattfindet.

Die Möglichkeiten einer übermäßigen Anstrengung des Reiters liegen aber auch darin, dass die Muskulatur der Reiters noch nicht an die Beanspruchung gewöhnt ist. Oft ist es aber auch eine falsche Hilfengebung, die zu höherer Beanspruchung des Organismus führt. So sieht man häufig vor allem bei Anfängern, dass sie zu stark am Zügel ziehen, ja sogar, dass sie sich daran festhalten. Auch klammernde, nicht effektiv eingesetzte Schenkelhilfen tragen zu einer übermäßigen Belastung des Organismus bei. Der Zügelzug wie auch der Schenkeldruck werden nicht frühzeitig gelöst, was das Pferd zu einem Gegendruck veranlasst, dem der Reiter versucht standzuhalten. Dies ist anstrengend und natürlich kontraproduktiv. Der häufigste Grund, weshalb Reitschüler das Reiten als anstrengend empfinden, sind das nicht rechtzeitige Lösen von Zügelzug oder Schenkeldruck. Das Ziel ist deshalb stets die Minimalisierung der Hilfengebung, was natürlich auch eine Reduktion der Muskelarbeit und somit der Anstrengung für den Reiter mit sich bringt.

Ausdauer kontra Kraft

Selbstverständlich bleibt aber immer noch die Haltearbeit und die Bewegung des Pferdes, die der Reiter ausgleichen muss. Mit minimalstem Aufwand, also nur das „Sich-tragen-lassen“ beansprucht den Körper immer noch entsprechend. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren erreicht der Reiter im Arbeitsgalopp immer noch einen Mittelwert von etwa 140 Pulsschlägen – ein guter Trainingswert im aeroben Bereich.

Reiten erfordert etwa 45 Prozent an Koordination, zu 30 Prozent an Beweglichkeit und zu 25 Prozent an Kraft, Reaktionsschnelligkeit und Ausdauer. Aus sportmedizinischer Sicht kann das Reiten als allgemeine Langzeitbelastung mit überwiegend aerobem Stoffwechsel und insbesondere statischer – und nur geringfügig dynamischer – Beanspruchung definiert werden. Das Reiten ist also eine typische Ausdauersportart. Was liegt näher, als sich über bestimmte Ausdauerbetätigungen für das Reiten fit zu machen?

Ein durchtrainierter Reiter mit einer guten Grundkondition wird in der Lage sein, über einen längeren Zeitraum auf dem Rücken des Pferdes „durchzuhalten“. Ein nicht trainierter Reiter verliert frühzeitig seinen Sitz aufgrund frühzeitiger Ermüdungserscheinungen und mangelnder Kondition. Damit geht auch die Koordination, die Konzentration und die Reaktion verloren. Somit sind Sitz und Einwirkung auf das Pferd unzureichend, was eine Verbesserung, die man im Laufe des Trainings erreichen möchte, nicht mehr möglich ist. Kurzzeitiges, konzentriertes Reiten über etwa 20 Minuten ist darum besser als stundenlanges Reiten mit schlechtem Sitz und falscher Einwirkung. Der Trainingseffekt ist nur bei Ersterem positiv.

Training im aeroben Bereich

Eine Ausdauersportart wie das Reiten setzt im Training einen aeroben Stoffwechsel voraus, damit der Sport fortdauernd ausgeübt werden kann, ohne vorzeitig zu ermüden. Steigt die Pulsfrequenz über den aeroben Bereich, geht der Körper in den anaeroben Stoffwechsel über und geht damit eine Sauerstoffschuld ein. Im aneroben Stoffwechsel kommt der Reiter quasi aus der Puste. Mit einem Herzfrequenzmesser kann man sein Training so aufbauen, dass man stets im optimalen Frequenzbereich trainiert, um seine Fitness zu verbessern und sein Leistungsvermögen nicht zu übersteigen. Der Übergang vom aeroben zum anaeroben Bereich ist bei jedem Menschen unterschiedlich. In der Regel sinkt die Schwelle mit zunehmendem Alter. So liegt der Übergang vom aeroben zum anarobem Bereich beim 20-jährigen etwa erst bei einer Pulsfrequenz von 170 Schlägen pro Minute, während er beim 60-jährigen schon bei 140 Schlägen liegt.

Je besser die Fitness des Reiters ist, desto besser kann er dem Pferd mit seiner Einwirkung helfen, gewisse Lektionen auszuführen. Dem Reiter fällt es außerdem leichter, bestimmte Hilfen zu geben, wenn durch entsprechendes Training seine Beweglichkeit, Kondition, Koordination und das Reaktionsvermögen verbessert ist. So genannte sportliche Menschen können sich aufgrund ihrer Fitness besser auf ihr Gefühl konzentrieren und müssen nicht jede Bewegung im Sattel überdenken und versuchen, diese erst mühsam auszuführen.

Das Pferd leidet unter steifen, unbeweglichen Reitern, die schlecht mit ihren Bewegungen harmonieren, weil es ihnen an Beweglichkeit und Koordination fehlt. Sich diese Eigenschaften erst auf dem Rücken des Pferdes anzueignen, ist aufgrund der Fülle von Anforderungen, die das Reiten mit sich bringt, zum einen sehr schwierig („Man muss an so Vieles gleichzeitig denken“), zum anderen wird während der Lernphase das Pferd be- und vor allem auch überlastet, zumindest aber in seinen Bewegungen deutlich gestört, was der Gesundheit des Tieres nicht zuträglich ist.

Aufgrund dieser Erkenntnisse sollte jeder Reiter dafür sorgen, dass er fit genug ist, bevor er aufs Pferd steigt! Das bedeutet, man sollte sich ein bestimmtes Maß an Kondition, Koordination, Ausdauer, Beweglichkeit und Reaktion aneignen. Wie macht man das und wann ist man tatsächlich fit fürs Pferd? Zunächst einmal gibt es eine Reihe von Testmöglichkeiten, die einem die eigenen Defizite in Ausdauer, Koordination oder Beweglichkeit aufzeigen. Schließlich kann man durch gezielte Zusatzprogramme wie andere Sportarten oder Gymnastikeinheiten die Defizite ausgleichen und die vorhandene Fitness verbessern.

Reiten ist zwar eine gesunde Sportart, aber dennoch werden auch hier bestimmte Muskelgruppen einseitig belastet. Deshalb ist eine Zusatz-, Ergänzungs- oder Ausgleichssportart zu empfehlen, um den Körper stets locker, fit und leistungsfähig zu erhalten.


Quelle:
Renate Ettl für westernreiter (EWU)


Fragen? Die 20 wittelsbuerger.com-Experten helfen gerne weiter,

z.B. Petra Roth-Leckebusch für den Bereich Zucht.
Zum wittelsbuerger.com-Expertenforum gelangen Sie hier.

Quellewesternreiter

Weitere Artikel zu diesem ThemaWas meinen Sie dazu?
Mehr Informationen rund ums PferdewissenReden Sie mit in unserem Diskussionsforum
  
Sie wollen mehr zum Thema wissen? Hier finden Sie
Informationen zum VerbandInformationen zur RasseInformationen zum Westernreiten

Drei unserer Auktionsangebote rund ums Westernreiten

 



Impressum© by wittelsbuerger.com / Disclaimer