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Die Problematik liegt vor allem darin, dass
ein gewisses Potenzial an Energie nötig
ist, um die gesuchte Entspannung auf
dem Pferderücken zu erreichen. Des weiteren
wollen ehrgeizige Menschen nicht nur im Beruf,
sondern auch in ihrer Freizeit auf dem Pferd
erfolgreich sein und setzen sich deshalb unter
entsprechendem Erfolgsdruck.
Diese Voraussetzungen schaffen Stress. Zum
einen kann der berufliche Stress, der zum Stall
mitgenommen wird, nicht abgebaut werden,
zum anderen wird neuer Stress aufgebaut,
um auch im Sattel bestimmte Leistungen zu
erzielen.
Die andauernde Anspannung hat zur Folge, dass
jegliches Leistungspotenzial immer geringer
wird, während der Stress und Druck umso größer
werden. Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen,
ist es notwendig umzudenken und mit
neuen Methoden und einer anderen Einstellung
an die Sache heranzugehen.
Ständige Anspannung verringert die Leistung
Die Natur dient als Vorbild für den richtigen
Weg: Wenn sich beispielsweise ein Muskel anspannt,
benötigt er zur Regeneration wieder
eine Entspannungsphase, um schließlich erneut
angespannt werden zu können. Kein Organismus
ist dauerhaft belastbar, ohne Schaden zu
nehmen. Jeder muss neue Energien tanken können,
man benötigt also eine Regenerationsphase,
um auf Dauer leistungsfähig sein zu können.
Wie der Sportler oder auch das Pferd nach jeder
anstrengenden Übung eine Pause benötigt,
um Luft zu holen und neue Kräfte zu sammeln,
sollte auch der Reiter darauf bedacht sein, sich
durch Entspannungsphasen die Voraussetzung
zu schaffen, seine Akkus aufzuladen.
Die meisten Freizeitreiter empfinden das Reiten
nicht besonders anstrengend, wenn sie sich im
Gelände herumtragen lassen. Hierzu werden nur
wenig Energien benötigt. Doch wenn man sich
wie ein schwerer Kartoffelsack durch die Gegend
schleppen lässt, hat das mit Reiten wenig
zu tun und die Belastung des Pferderückens ist
größer als wenn man sich bemühen würde, mit
den Bewegungen des Pferdes harmonisch mitzugehen.
Geht man davon aus, dass der Reiter
sich redlich bemüht, mit dem Pferd in harmonischer
Übereinstimmung zu reiten, kann das Reiten
mehr oder weniger anstrengend sein.
Die Mühen und Anstrengungen, die der Reiter
im Sattel zu leisten hat, gehen von der Anspannung
bestimmter Muskelgruppen zur Stabilisierung
des Rumpfes, dem flexiblen Mitgehen
des Beckens und der Muskelanspannung zur
Hilfengebung über eine gewisse Beweglichkeit
des Körpers bis hin zu längeren Konzentrationsphasen
und Reaktionsvermögens. All diese
Anforderungen an den Reiter erfordern eine
grundlegende Fitness, die wiederum durch Training,
welches aus An- und Entspannungsphasen
besteht, erreicht werden kann.
„Mach mal Pause!“
Anspannungsphasen hat der Mensch oft genug
und ehrgeizige Leute genehmigen sich kaum
eine Pause, um zu entspannen. Doch gerade
die Entspannungsphasen sind ein wichtiger Bestandteil,
um letztendlich im Training oder während
der Arbeit leistungsfähig zu sein.
Ein entspannter, ausgeglichener Mensch hat
neben der höheren Leistungsfähigkeit auch den
Vorteil, durch seine Ruhe und Souveränität, die
er mit Hilfe verschiedener Entspannungstechniken
erreicht hat, sich besser in das Lebewesen
Pferd hineinfühlen zu können. Somit funktioniert
der „Draht zum Pferd“ deutlich besser,
weil ein entspannter Reiter die Ruhe hat zuzuhören
und zu horchen. Ganz im Gegensatz zu
einem ruhelosen, gestressten Reiter, der nicht in
der Lage ist, die feinen Signale des Pferdes aufzunehmen.
Die Kommunikationsfähigkeit des
entspannten Reiters ist somit größer. Es ist ihm
sogar möglich, die Energie, die der Reiter mit
Hilfe von Entspannungstechniken aufgetankt
hat, teilweise an das Pferd weiterzugeben. Der
Reiter kann seine Ruhe, Energie und seine Souveränität
auf das Pferd übertragen, so dass die
Voraussetzung deutlich höherer Leistungsfähigkeit
bei Reiter und Pferd geschaffen ist.
Somit können auch Reiter, die keine sportlichen
Höchstleistungen mit ihrem Pferd erreichen
wollen, von Entspannungsübungen profitieren.
Denn wenn die Kommunikation mit dem Pferd
besser funktioniert, harmonisieren Mensch
und Tier, wodurch wiederum das gegenseitige
Vertrauen und die Freundschaft gefestigt wird.
Wenn es Reiter geben sollte, deren Ziel nicht
das Vertrauen, die Harmonie und die Freundschaft
zwischen Reiter und Pferd ist, sollte er
sich zum Wohl des Pferdes dann doch lieber einem
anderen Hobby zuwenden.
Es gibt verschiedene Entspannungstechniken, die
man am besten unter Anleitung – bevorzugt in
Form eines mehrteiligen Kurses – erlernt. Einen
sehr hohen Stellenwert nimmt dabei das Autogene
Training ein. Bei dieser Entspannungstechnik
handelt es sich um eine konzentrative Selbstentspannung.
Sie dient der allgemeinen
Beruhigung und Entspannung von Körper und
Psyche. Dabei konzentriert man sich insbesondere
auf die Muskelentspannung und eine ruhige
und gleichmäßige Atmung.
Entspannungstechniken
Wer autogen trainieren will, muss diese Methode
jedoch zunächst über einen längeren
Zeitraum üben, um langfristig damit erfolgreich
zu sein. Man sollte das Autogene Training (AT)
möglichst täglich anwenden und hierfür jeweils
eine gewisse Zeit reservieren, bei der man von
Telefon oder anderen Faktoren nicht gestört
wird. Nur bei einer professionellen Durchführung,
wozu das Erlernen der Methode unter Anleitung
gehört, kann man mit dem AT positive
Effekte erzielen.
Reiter, die das Autogene Training beherrschen,
können diese Entspannungstechnik während
kurzer Reitpausen anwenden, um zur inneren
Ruhe und Ausgeglichenheit beim Training zurückzufinden
oder aufrecht zu erhalten. Des
weiteren kann das AT dazu benutzt werden,
sich nach anstrengenden Trainingssequenzen
zu regenerieren. Nicht zuletzt lässt sich das Autogene
Training auf Turnieren einsetzen, um die
Nervosität zu dämpfen und sich ideal auf den
Prüfungsritt zu konzentrieren.
Eine weitere Möglichkeit bietet die Progressive
Muskelentspannung, bei der ebenfalls die Anund
Entspannung der Muskeln im Vordergrund
steht, um Körper und Geist zu entspannen. Die
Progressive Muskelentspannung, kurz PME,
sollte ebenfalls zunächst unter Anleitung erlernt
werden, um sie später selbstständig durchführen
zu können. Man richtet bei dieser Methode
den Fokus auf bestimmte Muskeln, die jeweils
bewusst an- und schließlich wieder entspannt
werden.
Doch es besteht auch die Möglichkeit, eigene
Entspannungsübungen durchzuführen, die nicht
viel Zeit in Anspruch nehmen und dennoch zu
einem positiven Ergebnis führen. So kann es
schon reichen, sich einfach genügend Zeit für
das Pferd zu nehmen, um ruhiger zu werden
und stressfreier zu agieren. Dabei hilft schon
eine kleine Reitpause, bei der man die Arme
und Beine ausschüttelt und tief durchatmet.
Man kann sich darauf konzentrieren, die gesamte
Muskulatur zu entspannen und bewusst
zu atmen. Hierfür kann man sehr gut die Pausen
nutzen, die man auch seinem Pferd gönnt,
um nach einer schwierigen oder anstrengenden
Lektion zu verschnaufen!
Ausgleichsmaßnahmen
Um Körper und Psyche zu regenerieren sind
auch Tätigkeiten sinnvoll, die einen Ausgleich
zum Reiten schaffen. Eine so genannte aktive
Regeneration stellen beispielsweise Sportarten
wie Joggen, Walken, Schwimmen oder Radfahren
dar. Dies alles sind – wie das Reiten auch
– Ausdauersportarten, die somit auch für das
Reiten förderlich sind. Wer lieber passiv regenerieren
will, sollte sich mal einen Saunabesuch,
eine wohltuende Massage oder durchblutungsfördernde
Bäder gönnen.
Selbstverständlich ist es auch sinnvoll, von Fall
zu Fall auch mal einen Ruhetag einzuschieben
und das Pferd lieber mal auf die Weide bringen,
sich aufs Gras setzen und seinem Liebling beim
Grasen zusehen. Den friedlich grasenden Pferden
zuzuschauen, ist gerade für Pferdeliebhaber
eine willkommene Entspannungspraxis.
Man sollte hierfür mindestens eine halbe Stunde
einplanen, dabei gerne mal die Gedanken
abschweifen lassen, und die Einflüsse der Natur
bewusst aufnehmen: Man kann den Wind auf
seiner Haut wahrnehmen, das Summen der Bienen
hören oder den Duft der Kräuterwiese mit
der Nase regelrecht aufsaugen.
Solche Entspannungsmaßnahmen sind oft sinnvoller
als verbissenes Training, insbesondere
wenn man sowieso keine Zeit hat und „nur mal
schnell für eine halbe Stunde“ das Pferd sattelt.
Gut erholt macht es dann doppelt so viel Spaß,
aufs Pferd zu steigen. Dann ist man fit für ein
konzentriertes und koordiniertes Training, denn
das Leistungspotenzial steigt spürbar.
Quelle:
Renate Ettl für westernreiter (EWU)
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